Zynismus als Massenphänomen: Wie Selbsttäuschung und Lüge das Mitgefühl ersetzen.

„Offenbar ist Zynismus zu einem Massenphänomen geworden, (..). Kaum jemand mehr ist von der Gerechtigkeit der globalen Verhältnisse überzeugt; aber viel zu viele haben sich mit dem Unrecht arrangiert (..). Die Konsequenzen, die daraus für das eigene Bewusstsein resultieren, sind fatal. Im Zynismus tritt an die Stelle des Mitgefühls die Lüge. Man weiß zwar noch um das Elend, das in der Welt herrscht, aber sieht die Elenden letztlich selbst für ihre Lage verantwortlich. Auf solchen Selbsttäuschungen wuchern schließlich auch die aggressiven Entgleisungen einschlägiger Politiker. “

„Etwa die von Franz-Michael Skjold Mellbin, dem Botschafter der Europäischen Union in Afghanistan, der die Frage, warum man Geflüchtete nach Afghanistan abschieben könne, (..) so beantwortet hat: „Es ist ein sicherer Platz gemessen an der Sicherheit, die wir heute in der Welt erwarten können. Wir erleben groß angelegte Terrorangriffe auf Zivilisten in Europa, und wir erleben sie in Kabul. Das ist Teil des täglichen Risikos, mit dem wir heute alle zu leben haben.“

„11.000 Zivilisten sind im letzten Jahr dem Krieg in Afghanistan zum Opfer gefallen; drei Millionen Binnenvertriebenen gibt es wieder. (..) wer heute nach Afghanistan abgeschoben wird, kommt in ein Land, in dem 40 Prozent der Leute nicht mehr wissen, wie sie sich morgen ernähren sollen; (..) ein Land, das im Human Development Index (..) auf Platz 169 von 175 rangiert.

Ist das das Maß an Sicherheit, das wir heute in der Welt erwarten dürfen – Lebensumstände, die von Krieg und Elend charakterisiert sind? So absurd die Gleichsetzung von Afghanistan mit Europa ist, so infam ist die Botschaft, die aus ihr spricht; (..) dann legitimiert das nicht nur die Abschottung nach außen, sondern auch die sicherheitspolitische Aufrüstung nach innen, (..) dann gibt es für die weitere Militarisierung von Polizei, (..), für die Kriminalisierung von Protest und Demonstrationen, für das das Wegschließen von Auffälligen und schließlich für die Präsenz von Militär im Alltag kein Halten mehr. Dann gilt das, was sich so mancher europäische Innenminister insgeheim wohl schon lange wünscht: das Zurückdrängen von Bürger- und Menschenrechte zugunsten robuster Sicherheitspolitik.“

zitiert von Thomas Gebauer: Wir sind die Sintflut
https://www.medico.de/blog/wir-sind-die-sintflut-16852/

Siehe auch ProAsyl: „Afghanistan ist so sicher, dass es keiner wissen darf: 70 Prozent des Landes sind von Taliban und IS bedroht, besagt eine Recherche der britischen BBC. Zeitgleich verhindert das US-Militär die gewohnte Herausgabe von Zahlen über die Ausbreitung der Aufständischen. Fest steht: Die Situation wird immer schlimmer, auch die UN stuft Afghanistan wieder als Land in »aktivem Konflikt« ein.“

 

Und Deutschland schiebt fleissig weiter nach Afghanistan ab, obwohl sich dort nichtmal mehr bewaffnete Bundeswehrsoldaten auf die Strasse trauen. Andernorts ist die Situation nicht besser, man denke nur an Libyen. Aber dort bezahlt ja jetzt die EU die Warlords, damit man die Flüchtlinge ein bisschen foltert und uns so vom Leib hält, damit wir keine Bilder von Leichen im Mittelmeer mehr sehen müssen (denn die Leichen in den libyschen Folterkellern sehen wir nicht).

Ganz toll gemacht. Und die neue Bundesregierung verschärft den Kurs noch.

„Fluchtursachen bekämpfen“ ist zum Euphemismus für „Flüchtlinge im Herkunfts- oder Durchreiseland verhaften und misshandeln“ geworden.

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