Nachtzug-Konferenz beim Europäischen Parlament in Brüssel

„Bauer (Leiter des Bereichs Fernverkehr der Österreichischen Bundesbahnen), kurzgeschorenes Haar, kantiges Gesicht, ist kein Eisenbahn-Romantiker, sondern ein ehrgeiziger Manager. Er sieht den Nachtzug als knallhartes Geschäft – das nur funktionieren kann, wenn die Bedingungen stimmen. Für Bauer heißt das: Trassengebühren runter, eine faire Besteuerung und vor allem mehr Zusammenarbeit unter allen Beteiligten.

„Der Nachtzug ist weder die schnellste, noch die billigste Art zu reisen, aber mit Sicherheit die kultivierteste“ sagt Bauer.“

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„Libor Lochman, Cheflobbyist der Bahnen Europas, ist weniger optimistisch. Der Tscheche spricht viel über technische Barrieren, fehlende Infrastruktur und Trassenkonflikte. „Das Problem mit den Trassen ist nicht die Fahrt durch die Nacht, sondern die Ankunft am nächsten Morgen“, verdeutlicht Lochman. Zur Rush Hour käme es immer wieder zum Stau an den Bahnhöfen.“

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„Viele der Probleme ließen sich auf europäischer Ebene lösen. Ist also fehlendes Engagement aus Brüssel Schuld am schleichenden Tod der Nachtzüge? Diesen Schluss legt eine Recherche der anwesenden Journalistin Frances Robinson nahe.“

Mehr Infos im vollen Artikel auf TrainTracks.eu

 

Zynismus als Massenphänomen: Wie Selbsttäuschung und Lüge das Mitgefühl ersetzen.

„Offenbar ist Zynismus zu einem Massenphänomen geworden, (..). Kaum jemand mehr ist von der Gerechtigkeit der globalen Verhältnisse überzeugt; aber viel zu viele haben sich mit dem Unrecht arrangiert (..). Die Konsequenzen, die daraus für das eigene Bewusstsein resultieren, sind fatal. Im Zynismus tritt an die Stelle des Mitgefühls die Lüge. Man weiß zwar noch um das Elend, das in der Welt herrscht, aber sieht die Elenden letztlich selbst für ihre Lage verantwortlich. Auf solchen Selbsttäuschungen wuchern schließlich auch die aggressiven Entgleisungen einschlägiger Politiker. “

„Etwa die von Franz-Michael Skjold Mellbin, dem Botschafter der Europäischen Union in Afghanistan, der die Frage, warum man Geflüchtete nach Afghanistan abschieben könne, (..) so beantwortet hat: „Es ist ein sicherer Platz gemessen an der Sicherheit, die wir heute in der Welt erwarten können. Wir erleben groß angelegte Terrorangriffe auf Zivilisten in Europa, und wir erleben sie in Kabul. Das ist Teil des täglichen Risikos, mit dem wir heute alle zu leben haben.“

„11.000 Zivilisten sind im letzten Jahr dem Krieg in Afghanistan zum Opfer gefallen; drei Millionen Binnenvertriebenen gibt es wieder. (..) wer heute nach Afghanistan abgeschoben wird, kommt in ein Land, in dem 40 Prozent der Leute nicht mehr wissen, wie sie sich morgen ernähren sollen; (..) ein Land, das im Human Development Index (..) auf Platz 169 von 175 rangiert.

Ist das das Maß an Sicherheit, das wir heute in der Welt erwarten dürfen – Lebensumstände, die von Krieg und Elend charakterisiert sind? So absurd die Gleichsetzung von Afghanistan mit Europa ist, so infam ist die Botschaft, die aus ihr spricht; (..) dann legitimiert das nicht nur die Abschottung nach außen, sondern auch die sicherheitspolitische Aufrüstung nach innen, (..) dann gibt es für die weitere Militarisierung von Polizei, (..), für die Kriminalisierung von Protest und Demonstrationen, für das das Wegschließen von Auffälligen und schließlich für die Präsenz von Militär im Alltag kein Halten mehr. Dann gilt das, was sich so mancher europäische Innenminister insgeheim wohl schon lange wünscht: das Zurückdrängen von Bürger- und Menschenrechte zugunsten robuster Sicherheitspolitik.“

zitiert von Thomas Gebauer: Wir sind die Sintflut
https://www.medico.de/blog/wir-sind-die-sintflut-16852/

Siehe auch ProAsyl: „Afghanistan ist so sicher, dass es keiner wissen darf: 70 Prozent des Landes sind von Taliban und IS bedroht, besagt eine Recherche der britischen BBC. Zeitgleich verhindert das US-Militär die gewohnte Herausgabe von Zahlen über die Ausbreitung der Aufständischen. Fest steht: Die Situation wird immer schlimmer, auch die UN stuft Afghanistan wieder als Land in »aktivem Konflikt« ein.“

 

Und Deutschland schiebt fleissig weiter nach Afghanistan ab, obwohl sich dort nichtmal mehr bewaffnete Bundeswehrsoldaten auf die Strasse trauen. Andernorts ist die Situation nicht besser, man denke nur an Libyen. Aber dort bezahlt ja jetzt die EU die Warlords, damit man die Flüchtlinge ein bisschen foltert und uns so vom Leib hält, damit wir keine Bilder von Leichen im Mittelmeer mehr sehen müssen (denn die Leichen in den libyschen Folterkellern sehen wir nicht).

Ganz toll gemacht. Und die neue Bundesregierung verschärft den Kurs noch.

„Fluchtursachen bekämpfen“ ist zum Euphemismus für „Flüchtlinge im Herkunfts- oder Durchreiseland verhaften und misshandeln“ geworden.

Ein paar Zahlen

Stuttgart 21 kostet jetzt statt 4,5 Milliarden Euro 8,2 Milliarden Euro. Fahrzeitgewinne im Mittel: 3 Minuten. „Aufsichtsrat informiert sich über persönliche Haftbarkeit“. Offenbar kriegen jetzt doch ein paar Leute kalte Füße? Dafür hat man am 30. September 2010 eine Demonstration zusammengeprügelt zwecks Räumung des Schlossgartens.

Im Jahr als die CityNightLine-Nachtzüge der DB eingestellt wurden, belief das Defizit auf 30 Millionen Euro.

Fluglinien werden, u.a. durch Subvention von defizitären Regionalflughäfen, in Deutschland mit jährlich 12 Milliarden Euro subventioniert.

Mit ca. 10 Milliarden Euro könnte man die Güterverkehrskapazitäten auf der Schiene in Deutschland verdoppeln.

Sinnvolle Prioritätensetzung in CDU-Deutschland: unbezahlbar…

Und weitere Hiobsbotschaften sind nicht rar: als die DB die Nachtzüge einstellte, hat man großspurig von der Kooperation mit der ÖBB geschwärmt. Aber ab Juni kann man nichtmal mehr bei der DB Tickets für den Nachtzug kaufen!

 

Polarlichter bewundern oder lieber Hundeschlittenfahren?

Obwohl die Welt immer wärmer wird: ganz im Norden Europas gibt es immer noch jeden Winter Unmengen Schnee. Wer Ende Februar hinfährt, kann auch schon wieder längere Tage genießen, z.B. für eine Tour mit dem Hundeschlitten. Und nachts stehen die Chancen gut, dass man die Aurora borealis zu sehen bekommt.

Aber wie kommt man hin? Am besten mit Zug und Nachtzug, z.B. dank Winterrail.

Als Überblick über das finnische Nachtzug-Netz empfehle ich:

http://traintracks.eu/nachtzug-finnland/

3 schlechte Neuigkeiten und einmal RyanAir

Das Weltwirtschaftsforum hat die größten Risiken für die Menschheit erheben lassen. Eine große Rolle spielen Klima und Umwelt – und die dadurch entstehende Migration.

„Von den Folgen aus Umweltzerstörung und Klimawandel geht die größte Gefahr für die Menschheit aus. (..) Demnach sind extreme Wetter sehr wahrscheinlich und können potenziell sehr großen Schaden anrichten. Es folgen Naturkatastrophen und das „Versagen der Menschheit“, sich an den Klimawandel und dadurch verursachte Migration anzupassen. Eine Wasserkrise und der Kollaps von Ökosystemen werden ebenfalls als ernste Gefahren angesehen.“

Soweit, so gut. Das sind eigentlich objektive Gründe auch für Wirtschaftspolitiker, die Umweltpolitik etwas ernster zu nehmen, oder nicht?

Unterdessen rückt die neue GrunzKo in Deutschland von den Klimazielen für 2020 ab – weil angeblich unerfüllbar. Vielleicht liegt das an den Jahren des Nichts-Tuns? Wachsen doch die Verkehrsemissionen unablässig an, obwohl es so einfach wäre, das Ruder hier herumzureissen. Werden saubere Gaskraftwerke abgeschalten und stattdessen der Braunkohletagebau weiter subventioniert (und das muss man besonders der SPD vorwerfen!).

„Selbst wenn die künftige Bundesregierung doch noch Kurs hält, könnte das aktuelle Gewackel beim Klimaschutz anderen Staaten als Ausrede dienen.“

Was noch?

Trotz Diesel-Skandal verkauft VW mehr Autos als je zuvor. Die deutsche Politik freut sich über den Export und scheisst aufs Klima. Kennen wir ja.

Die einzig gute Nachricht diese Woche? Billigfliegen könnten weniger billig werden. Nicht aus Umweltschutzgründen leider, sondern weil sich das Personal von RyanAir gegen die Ausbeutung wehrt.

(Das bekannte Schema übrigens: wenn es um billigen Konsum geht, interessiert den Europäer wenig, weder die ökologischen Folgen noch die sozialen. Egal ob jetzt Textilarbeiter für unsere billigen T-Shirts in einstürzenden Fabriken zerquetscht werden oder Warlords uns mit seltenen Metallen für Smartphones aus Kinderarbeit beliefern. Oder der Paketbote sich tot schuftet, oder der RyanAir-Pilot im Landeanflug einschläft.)

3 times Sustainability in the Local News

1) The Air Berlin & Niki bankruptcy:

There is a lot to say about this as a sustainability advocate:

  • Subsidising airlines is a prime example of the state providing subsidies which have adverse effects on sustainability. No surprise Germany is now officialy scraping the 2020 climate goals.
  • Subsidising airlines and regional airports is the main reason why flying can be cheaper than taking the train in Europe: recall that airlines don’t pay VAT, fuel taxes or emmission certificates, and most German regional airports receives millions of Euros of subsidies every year; recall that train operators pay VAT, fuel taxes and in German even a contribution to support renewable energies.
  • We need to support Air Berlin to have a competitor to Lufthansa in order to have cheap prizes? Why did nobody think about supporting Locomore when they went bankrupt? That would have been the only competitor to Deutsche Bahn on the railway network.
  • And why do you all complain that your flights from Berlin to Zurich are too expensive now? Take the night train!
  • Flights from Berlin to Stuttgart are too expensive? Take the ICE!

2) Germany is holding the world record for production of electronics garbage. Yes, even more than the US. So much about the way you’re always looking down at the US – maybe we Europeans should also be a bit more self-critical?

3) Stuttgarts eternal smog problem: the mayor declares „In the cities there is not better solution than the electromobility to quickly reduce the pollution problem.“

The electric car – Oh yes? What about removing cost-free parking lots and making users pay? What about removing parking lots and building bike lanes instead? Maybe promote at least electric scooters instead of electric cars? What about cheaper, denser, more frequent, more reliable public transport?

Car trains in France/Autozug in Frankreich

»Autozug« bedeutet in Frankreich: ein Zug nur für die Autos der Kunden. Die Kunden selbst reisen mit TGV, IC oder Nachtzug voraus oder hinterher.
Die SNCF will jetzt aber die Kundenautos auf der Straße transportieren – und zwar nicht unbedingt im LKW, sondern auf eigenen Reifen per Chauffeur (!!!).

So much about reducing carbon dioxide emissions in Europe!

Dagegen – und auf den Erhalt der Autobeförderung im Zug – richtet sich eine Petition, die noch weite Verbreitung gebrauchen kann.
In France, »Service Auto/Train« means that you take a TGV, IC or night train and your car takes another train. But now, SNCF will send your car to the road. Either on a truck or driven by a professional driver. Not kidding 
There is a petition for saving the trains for car service that needs some support – please consider signing here:

Club of Rome

http://www.sueddeutsche.de/politik/club-of-rome-was-ist-wichtiger-wohlstand-oder-umweltschutz-1.3792401

We have to look at our consumption: the rich countries have enormous ecological footprints. Now the poorer countries are catching up quickly. That is in principle great. But if the 7.5 billion people on the planet lived like US-Americans (or for that matter, Europeans) we would need 5 planets.

It could sound as if we wanted to stop the people from developing countries from reaching our Western standard of living. But the West has to correct its model of wealth. Away from splurge. Exploitation of nature has to become more expensive.