Nachtzug-Reisebericht: Im CityNightLine von Zürich nach Hamburg, und weiter nach Kopenhagen

Um 21:30 steht der CityNightLine im Zürcher Hauptbahnhof auf Gleis 17 zur Abfahrt bereit: die eine Zughälfte geht nach Hamburg, die andere nach Amsterdam. Die Abfahrt ist um 21:42, es bleibt also noch Zeit sich in Ruhe zu verabschieden und das Gepäck im Abteil zu verstauen. Der Schaffner hat auch noch Pause und unterhält sich mit einem Kollegen auf dem Bahnsteig, man hat den Eindruck, hier geht alles noch gemütlicher, stressfreier, persönlicher zu als sonst bei der Deutschen Bahn. Ich habe einen T3-Platz im Schlafwagen gebucht, habe also noch zwei Mitfahrer im Abteil.

(Zur Erklärung: es gibt drei Kategorien, Sitzplatz, Liegewagen und Schlafwagen. Sitzplatz ist billig, wer auch im Flugzeug oder Bus schlafen kann ist damit auch glücklich. Wer einen eher leichten Schlaf hat wie ich, dem sind auch die 6er-Abteile mit Pritschen im Liegewagen zu laut und rumpelig und wählt Schlafwagen, der deutlich besser gefedert ist. Im Schlafwagen gibt es die Klassen Economy -mit Waschbecken im Abteil- oder Deluxe -mit Dusche und WC im Abteil- und alle Schlafwagenabteile können als Single-, Double oder T3-Belegung gebucht werden. Im Deluxe-Abteil gibt es ausserdem eine Flasche Wein am Abend. Frühstück ist inklusive in allen Schlafwagenbuchungen.)

Als ich ins Abteil komme hat sich der erste meiner Mitfahrer bereits in sein Bett auf der mittleren Ebene verkrochen; ich habe bei der Buchung das unterste Bett ausgewählt. Das Abteil ist kompakt, aber modern und funktional eingerichtet: drei Stockbetten auf der einen Seite, auf der anderen Seite die verriegelbare Verbindungstür zum Nachbarabteil, falls man mit großer Familie unterwegs ist. Die Stockbetten sind recht nahe übereinander angebracht: aufrecht sitzen geht nicht aber schlafen kann man allemal bequem, breit genug sind die Betten, die Matratze ist fest aber bequem, und sauberes Bettzeug, Bettdecke und Kissen sind vorbereitet. Die oberen Betten werden durch eine Leiter im Abteil erreicht und haben ein Sicherheitsnetz sodass niemand Angst haben muss herauszufallen. Die Leiter steht manchmal etwas im Weg herum, kann aber an einer Stange oben aufgehängt im ganzen Abteil verschoben werden. In einer Ecke findet sich ein Waschschrank, in dem aufgeklappt ein kleines Waschbecken, ein großer beleuchteter Spiegel, eine Rasiersteckdose, Becher mit Zahnputzwasser und saubere Handtücher hervorkommen. Alles macht einen sehr durchdachten und guten Eindruck. Über dem Boden neben der Eingangstür finde ich ausserdem noch eine Steckdose für Computer, Telefon etc. Ausserdem liegt eine Flasche Wasser für mich bereit. Leider merkt man etwas, dass die Deutsche Bahn den CNL in zwei Monaten einstellen wird daran, dass bei Reparaturen gespart wird: neben meinem Bett fehlt der übliche Flaschenhalter, nur noch die Schrauben sind in der Wand.

Ca. 10 Minuten nach der Abfahrt kommt der Schaffner vorbei, kontrolliert die Fahrkarte, erklärt ausführlich die Einrichtung des Abteils (man merkt, hier geht alles wirklich noch freundlich und gemütlich zu): Klimaregelung über der Tür, Lichtschalter, Leselichter, Nachtlicht. Dann klärt er mit uns die Wunsch-Weckzeit und das Wunsch-Heißgetränk fürs Frühstück ab und erklärt uns, dass unser dritter Mitfahrer in Basel einsteigt. Da der dritte Mitfahrer vom Schaffner mit dem Schaffner-Schlüssel ins Abteil hereingelassen wird dürfen wir die zwei Sicherheitsbügel noch nicht verriegeln, der Schaffner betont aber, dass nur er mit dem Schlüssel das Abteil von aussen öffnen kann. Der Schaffner wünscht gute Nacht, ich putze mir die Zähne und ziehe mich im Schlafanzug ins Bett zurück um noch eine Stunde zu lesen.

Gegen 23 Uhr steigt unser dritter Mitfahrer ein, und ich suche noch das Bad auf. Im Gegensatz zum ICE ist es nicht verstopft und frisch geputzt, man hat den Eindruck auch die anderen Fahrgäste im Waggon geben hier besser acht bei der Benutzung. Um wieder in das geschlossen Abteil zu kommen, habe ich eine Schlüsselkarte aus dem Abteil mitgenommen; zurück lösche ich das Leselicht und versuche einzuschlafen. Mein Schlaf ist je nach Fahrt unterschiedlich fest, diesmal schlafe ich leider nicht komplett durch sondern liege immer wieder eine Weile wach -ein bisschen spürt man das Fahren des Zuges trotz der Luftfederung im Schlafwagen und ich schlafe allgemein eher leicht- aber mit Unterbrechungen schlafe ich doch einige Stunden und werde erst von der ersten Durchsage um 7 Uhr wieder geweckt. Mein Mitfahrer aus dem obersten Bett, der schon in Hannover aussteigt, verschwindet aus dem Abteil und bekommt noch vom Schaffner ein Frühstück in der Tüte zum mitnehmen in die Hand gedrückt, bevor die Tür wieder zu ist und ich mich umdrehe um nochmal einzuschlafen. Eine halbe Stunde später wache ich wieder auf, als mein zweiter Mitfahrer vom Schaffner in ein leeres Nebenabteil gesetzt wird um dort zu Frühstücken und nach etwas weiterem Dösen stehe ich um ca. 8 Uhr auf.

Als erfahrener Schlafwagenfahrer baue ich mein Abteil selber um, der Schaffner freut sich, dass ich ihm die Arbeit abnehme: die Betten werden in die Wand geklappt, unter dem Bett werden drei Sitze hochgeklappt und die Leiter verschwindet hinter der Sitzlehne; ein kleiner Falttisch wird an der Wand eingehakt fürs Frühstück.
Das Frühstück kommt in der berühmt-berüchtigten DB-Frühstücksbox: Ein O-Saft im Tetrapack, eine Leberwurst, eine Marmelade, eine Margarine, zwei kleine Brötchen und ein etwas pappiges Brioche in Plastikfolie. Keine kulinarischen Höhenflüge, aber es reicht um die ersten Stunden des Tages gut zu überstehen. Zum Ausgleich ist das Heißgetränk gar nicht so schlecht: ein brauchbarer großer Filterkaffee oder Tee (wahlweise Grüntee, Schwarztee oder Pfefferminztee). Das Frühstück ist in der Tat immer mein liebster Teil: ich habe ein gemütliches kleines Abteil, heißen Kaffee und einen wunderbaren Blick aus dem Fenster auf Morgennebel, Felder, Wälder, Flüsse… so würde ich am liebsten noch den ganzen Tag im Zug weiterfahren. Fehlt nur noch die Zeitung!

Ankunft in Hamburg mit ca. 15 Minuten Verspätung: meiner Erfahrung nach hat der Nachtzug eher seltener Verspätung als die ICEs: es scheint recht viele Wartezeiten im Fahrplan geben, die es erlauben Verzögerungen aufzuholen. Heute klappt es damit leider nicht, aber ich habe es ja nicht eilig, nur mein Kurzspaziergang zur Binnenalster entfällt heute. Ich kaufe mir am Bahnhof beim Bäcker ein Mittagessen für später und besorge mit jetzt auch meine Zeitung (meine Empfehlung: die Wochenzeitung Der Freitag – oder wenn’s nicht so ernst sein soll: Lucky Luke). Dann kurz in die DB-Lounge -als Vielfahrer mit meiner silbernen BahnCard 25, ab 2000 Euro Umsatz im Jahr :)- komme ich dort in den Genuss kostenloser Heiss- und Kaltgetränke, finde dort immer saubere Toiletten vor und kann auf den Sofas oder Computerarbeitsplätzen die Wartezeit verbringen. Heute wegen der Verspätung nur ca. 25 Minuten allerdings.

Dann geht es auf Gleis 7 zum ICE nach Kopenhagen. Der ICE ist ein dieselbetriebenes Modell und sehr kurz, daher reserviere ich hier immer einen Sitzplatz. Die Fahrt geht pünktlich los, wir fahren durch Lübeck, die norddeutsche Landschaft macht sich gut im herbstlichen Morgenlicht. Bei Puttgarden rollt dann der ganze ICE auf die Fähre nach Dänemark. Auf der Fähre herrscht einiger Trubel, im Foyer ist ein Weihnachtsbaum aufgebaut, die Leute drängeln im DutyFree-Shop und beim Essen: auf einer Seite für die Billigheimer Currywurst mit Pommes (eher nicht zu empfehlen), auf der anderen Seite Smørrebrød oder Buffet ab 14 Euro – laut Kollegen gar nicht so schlecht, ich futtere aber lieber mein Mittagessen vom Bäcker, stehe dann noch ein bisschen auf Deck und sehe aufs Meer, und dann dürfen alle wieder zurück in den Zug. Beim ersten Halt in Dänemark kommt die jetzt übliche Grenzkontrolle, aber mit Personalausweis bereit geht es flott von statten. Spätestens in Dänemark wird der ICE dann auch richtig voll, die Toiletten sind auch nicht mehr sauber und wir warten an eingleisigen Streckenabschnitten auf den Gegenzug. Ich vermisse meinen Nachtzug etwas, wo alles sauber war und ich mein kleines gemütliches Abteil hatte… glücklicherweise kommen wir dann aber auch schon bald in Kopenhagen an, wo ich am Hauptbahnhof noch sitzen bleiben kann und dann in Nørreport Station aussteige, von wo aus es nur noch wenige Minuten mit dem Bus nach Hause sind. //

An die Redaktionen der Reiseteile aller Zeitungen:

„Sehr geehrte XYZ-Redaktion,

In Ihrer Samstags-Ausgabe (15.-16. Oktober) sind mir ihre vielen Fernreiseberichte aufgefallen, z.B. zum Unesco-Biosphärenreservat  auf den Malediven – wo man z.B. bewundern kann, wie Wissenschaftler versuchen, die vom Klimawandel geschädigten Korallenriffe zu reparieren. Leider schlägt aber der Flug von Wien auf die Malediven schon mit ca. 4 Tonnen CO2 zu buche. Zum Vergleich: das klimverträgliche Jahresbudget liegt bei 2 Tonnen.

Daher möchte ich Ihnen zwei Vorschläge machen:

– Da das Interesse an Fernreisen unabänderlich ist – führen Sie doch neben dem Flugpreis („ab etwa 700 Euro“) noch den ökologischen Fußabdruck auf – z.B. ein Halbsatz „ab etwas 700 Euro, Klimabelastung 4 Tonnen CO2″.

– Bringen Sie mehr klimafreundliche Reisemöglichkeiten. Z.B. statt der Olivenernte in Griechenland die Olivenernte in Italien oder Kroatien, wo man bequem und klimafreundlich auch mit dem (Nacht)zug hinkommt.

– Und warum nicht mal eine Reihe über alle Ziele, die mit dem neuen erweitertten Nachtzugnetz der ÖBB erreichbar sind – jede Woche ein klimafreundliches Nachtzugziel?

Mit freundlichen Grüßen“